Aussprechen, wofür es keine Worte gibt

Zur Gedenkstättenfahrt des 13. Jahrgangs 2026

Die letzte Woche vor den Herbstferien nutzten Teile des 13. Jahrgangs, um gemeinsam mit Frau Voßhans, Frau Sczeponik und Herrn Schumann die Gedenkstätte Auschwitz zu besichtigen.

In den unfassbar intensiven Tagen gab es immer wieder Raum für Reflexionen und künstlerische Verarbeitung. Anstatt eines Reiseberichts veröffentlichen wir hier drei Ergebnisse dieser künstlerischen Auseinandersetzung.

Die Werke entstanden unmittelbar nach dem Besuch einer der Gedenkstätten vor Ort. Die Schüler hatten für ihre Arbeit nur eine Stunde Zeit. Das Bild stammt von Dominic Kaiser.

Wenn die Seelen noch da sind
von Halbast Ahmo
Ein Gefühl, so stark und tief
Als ob etwas nach Hilfe rief.
Eine Unruhe, die mich durchdringt,
als ob ein leiser Ruf zu mir dringt.
Ich fühlte mich nervös und allein,
als könnten noch Seelen in meiner Nähe sein.
Etwas, dass ich kaum beschreiben kann,
fing tief in meinem Inneren an.
Ein Gefühl, das mich nicht mehr losließ,
das mich in Gedanken versinken ließ.
So intensiv, so schwer zu verstehen,
als würde etwas Unsichtbares um mich geschehen,
Eine Leere, kalt und weit,
eine Leere, die unmöglich zu fühlen scheint.
Sie lag in mir, so still und schwer,
als wäre in meinem Inneren nichts mehr.
Ich suchte nach Ruhe, nach einem Zeichen,
doch wollte das Gefühl zunächst nicht weichen.
Was es auch war, was mich so bewegte,
es war die Intensität, die mein Inneres prägte.
Und langsam atmete ich wieder tief ein,
erlaube mir, einfach ich selbst zu sein.
Ich muss nicht wissen, was es bedeutete.
Ich muss nur beweisen, dass es
NIE WIEDER
geschehen dürfte.

“Rote Ballerinaschühchen“
Von Benasia Aslan
Hinweis: Dieser Text entstand nach dem Besuch der Gedenkstätte „Auschwitz I“. Dort gibt es eine große Vitrine, in der unzählige Schuhe der Häftlinge ausgestellt sind. Diese Schuhe wurden von den Häftlingen mitgebracht, durften im Lager aber nicht getragen werden.

Als ich klein war, besaß ich unzählige Paare an Ballerinaschühchen. In Pink mit Glitzer, in Weiß mit Spitze verziert, in Gold mit Sternchen. Diese Schuhe haben mir als Kind bereits sehr viel Freude bereitet, egal bei welchem Wetter, egal bei welchem Outfit. Diese Schuhe gehörten einfach immer dazu.

Nun stand ich da, blickte auf die Schuhe anderer. Schuhe, die jeden Tag getragen wurden. Schuhe, die Freude bereiteten. Schuhe, die gereist waren. Und dann erblickte ich sie. Die roten Ballerinaschühchen in Größe 25.

Ich erstarrte und dachte an meine Kindheit. Die Kindheit, in der ich täglich meine Mutter gebeten habe, mir die Erlaubnis zu geben, meine Ballerinaschuhe zu tragen. Die Kindheit, in der ich mit meinen Ballerinaschühchen durch das Haus getanzt bin, den Tierpark besucht habe oder zu Freundinnen gelaufen bin.

Diese roten Ballerinaschuhe in Größe 25 teilen wahrscheinlich eine ähnliche Geschichte wie meine. Und während meine Ballerinaschuhe als Andenken an meine Kindheit in einer Box aufbewahrt werden, liegen diese roten Ballerinaschühchen in Größe 25 zwischen den Schuhen von tausend Anderen zum Gedenken an die Opfer des Holocausts.