Leopoldshöhe. 31 Jahre hat Uwe Scheele an der Felix-Fechenbach-Gesamtschule gewirkt. Seit 2007 hat er die Einrichtung als Schulleiter geprägt. Am 7. Juli wurde er feierlich in den Ruhestand verabschiedet.
Uwe Scheele ist Jahrgang 1952. Er ist in Bielefeld geboren und hat auch dort studiert. Sein Referendariat hat er in Warstein absolviert. Danach wurde Scheele Lehrer an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld-Schildesche. Seit 1985 ist er an der Felix-Fechenbach-Gesamtschule. Er war Klassenlehrer, wurde Beratungslehrer für die Oberstufe, dann Oberstufenkoordinator. Von 1993 bis 2007 war Scheele stellvertretender Schulleiter bis er die Nachfolge von Gerfried Stanzel antrat.
"Es ging mir immer um diese Schule"
Warum sind Sie Lehrer geworden?
Uwe Scheele: Auf dem Max-Planck-Gymnasium in Bielefeld habe ich schon früh als Schüler in einem von der Schule organisierten Nachhilfe-Programm anderen Schülern geholfen. Ich habe die Nachhilfe dann auch privat weitergemacht und mir damit mein Taschengeld verdient. Dabei habe ich erkannt: Du kannst gut erklären und Unterrichtsinhalte für Schüler gut aufbereiten.
Mit den Jahren wiederholen sich die Lehrpläne. Ist das nicht immer wieder dasselbe?
Scheele: Es ist nie dasselbe, weil die Lerngruppe immer wieder eine Andere ist. Die methodischen Anforderungen haben sich gewandelt. Es gibt aber auch andere Lerninhalte und Schwerpunkte. Die Inhalte kann man nicht mehr wie früher vermitteln. Man muss sie mit der Lebenswirklichkeit verbinden und deren Anwendungsbezüge beachten. Als ich noch Schüler war, gab es Frontalunterricht. Heute muss man auch Lernformen anbieten, in denen möglichst viele Schüler gleichzeitig aktiv sind.
Was ist die Ursache dafür?
Scheele: Schülerinnen und Schüler müssen heute ganz andere Anforderungen erfüllen. Sie sind viel mehr Reizen ausgesetzt, denken wir nur an die digitalen Medien. Das Leben außerhalb der Schule ist anders geworden. Schülerinnen und Schüler müssen ihren Tag oft selbst organisieren.
Warum sind Sie Schulleiter geworden?
Scheele: Als stellvertretender Schulleiter kannte ich mich mit Schulorganisation aus. Ich wollte gestalten, habe das auch getan. Das geht als Schulleiter aber besser als als Stellvertreter. Ich wäre nicht an eine andere Schule gegangen. Es ging mir immer um diese Schule.
Sie haben fast ihr ganzes Lehrerleben an dieser Schule verbracht. Was hat Sie dazu bewogen?
Scheele: Diese Schule hat sich entwickelt. Sie war zunächst eine Halbtags-Gesamtschule. Die Oberstufe ging, als ich hier anfing, ins zweite Jahr. Wir sollten 44 Schülerinnen und Schüler in jedem Oberstufenjahrgang haben. Die Oberstufe hat sich entwickelt, weil hier die Bedingungen stimmten, aber auch weil sich die Schullandschaft entwickelt hat. Sie ist bis heute auf 90 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang angewachsen.
Eine Gesamtschule sieht normalerweise so aus: Um ein Forum herum gruppieren sich Fach- und Klassenräume. Obwohl Ihre Schule als Gesamtschule gebaut worden ist, ist sie anders.
Scheele: Lipper sind vorsichtig. Deshalb ist das Gebäude in drei Abschnitten gebaut worden. Der erste Bauabschnitt entspricht dem einer dreizügigen Hauptschule, der für eine geplant vierzügige Gesamtschule gebaut worden ist, die dann fünfzügig begonnen hat. Dabei muss man wissen, dass die Hauptschule der 1970er Jahre keinen 10. Jahrgang hatte, die Gesamtschule aber schon. Von Anfang an sollte die Gesamtschule auch Räume des ehemaligen Hauptschulgebäudes, in dem jetzt die Grundschule Nord untergebracht ist, mitbenutzen.
Viele Gesamtschulen haben das erlebt: Die erste Lehrergeneration ist fast geschlossen abgetreten. Was hat sich verändert?
Scheele: Die Gesamtschule ist aus einer Hauptschule heraus entstanden. Das hat eine Zeitlang den Unterrichtsstil geprägt. Wir haben Unterrichtsentwicklung betrieben. Wir waren Korrespondenzschule in einem Schulentwicklungsprojekt, das von der Bertelsmann Stiftung unterstützt wurde. Die jungen Kollegen bringen das alles, was wir damals gelernt haben, schon mit. Es hat sich sehr viel verändert. Es gibt feste Teamstrukturen und sehr viel mehr Teamarbeit. Schulentwicklung ist fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit geworden.
Ist die Gesamtschule als Schulform normal geworden?
Scheele: Diese Schule ist normal. Die Schülerschaft ist heterogen. Die Schule ist so, wie sich die Bildungsforscher eine Gesamtschule gedacht haben. Das macht den Erfolg der Schule aus.
Was wünschen Sie Ihrer Schule für die Zukunft?
Scheele: Die Schule hat noch wichtige Aufgaben zu erfüllen. Sie muss das Thema Inklusion umsetzen. Sie wird Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf in größeren Umfang als bisher zugewiesen bekommen. Die Strukturen dafür sind da, die Lehrer stehen dahinter. Ich wünsche der Schule, dass dabei auch die Unterstützung des Schulträgers nicht ausbleibt.
Was werden Sie im Ruhestand machen?
Scheele: Darüber habe ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht. Aber ich werde weiter an Schulbüchern für Mathematik schreiben.
Das Interview führte LZ-Mitarbeiter Thomas Dohna.
Hinweis: Dieser Artikel stammt von unserer alten Webseite. In einigen Fällen kann es zu Darstellungsfehlern kommen.